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Autoimmunerkrankungen: Was im Immunsystem wirklich passiert

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Lupus, Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Hashimoto: Auf den ersten Blick wirken das wie völlig unterschiedliche, unzusammenhängende Krankheitsbilder. Arzt Marcus Stanton zeigte in einem FroximunWorld-Webinar, was viele Autoimmunerkrankungen im Kern trotzdem gemeinsam haben.

Stanton begleitet Menschen mit Autoimmunerkrankungen in seiner Praxis und widerspricht dabei einer verbreiteten Annahme: dass eine solche Diagnose automatisch bedeutet, dass sich am Zustand nichts mehr ändern lässt. Sein Ausgangspunkt ist die Frage, welche einzelnen Faktoren im Verlauf zu der jeweiligen Situation beigetragen haben, statt sich allein auf die Diagnose selbst zu konzentrieren.

Was Autoimmunerkrankungen im Kern gemeinsam haben

Das Immunsystem lässt sich vereinfacht in zwei Hauptachsen unterteilen, TH1 und TH2. Die TH1-Achse arbeitet vor allem zellulär, etwa über natürliche Killerzellen. Die TH2-Achse ist stärker über Antikörper vermittelt. Ist die TH2-Achse überaktiv, entstehen typischerweise allergische Reaktionen. Ist stattdessen die TH1-Achse überreguliert, richten sich körpereigene Abwehrzellen gegen körpereigenes Gewebe. Genau das ist laut Stanton das gemeinsame Grundmuster fast aller Autoimmunerkrankungen, so unterschiedlich sie sich im Einzelfall auch zeigen.

Lange galt in der akademischen Medizin vor allem die genetische Veranlagung als Erklärung dafür, warum eine Autoimmunerkrankung zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben auftritt. Das hat sich in den letzten rund 20 Jahren deutlich erweitert. Heute erkennt auch die Wissenschaft zunehmend an, dass äußere Einflüsse eine Mitrolle spielen können, etwa eine dauerhafte Belastung mit bestimmten Umweltstoffen, die als Triggersubstanzen wirken können, oder bestimmte Virusinfektionen. Für das Epstein-Barr-Virus und das Cytomegalievirus gibt es inzwischen anerkannte Forschung zu einer möglichen Rolle bei der Entstehung mancher Autoimmunprozesse. Genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und Infektionen wirken dabei meist im Zusammenspiel, nicht isoliert voneinander, was auch erklärt, warum sich Autoimmunerkrankungen so schwer auf eine einzige Ursache zurückführen lassen.

Ein Überblick über häufige Autoimmunerkrankungen

Stanton nennt in seinem Vortrag mehrere Beispiele, um dieses gemeinsame Muster zu illustrieren. Lupus betrifft viele Strukturen im Körper gleichzeitig und gilt als eine der schwereren Verlaufsformen, erkennbar oft an einem schmetterlingsförmigen Hautausschlag im Gesicht. Rheumatoide Arthritis richtet sich gegen Sehnen und Gelenke, häufig zuerst an den kleinen Fingergelenken sichtbar. Bei Multiple Sklerose greift das Immunsystem die Nervenscheiden im zentralen Nervensystem an, häufig wird die Diagnose im späten Teenageralter oder frühen Zwanzigern gestellt, oft ausgehend von Sehstörungen. Typ-1-Diabetes entsteht, wenn das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse angreift, meist schon im Kindesalter. Auch Psoriasis und die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Schilddrüsenentzündung, die überwiegend Frauen betrifft, zählen dazu.

So verschieden diese Krankheitsbilder klinisch sind, so ähnlich ist laut Stanton der zugrunde liegende immunologische Mechanismus. Das erklärt auch, warum zwei Menschen mit ähnlicher genetischer Ausgangslage ganz unterschiedliche Krankheitsverläufe zeigen können.

Warum eine Diagnose nicht das Ende der Geschichte sein muss

Ein Punkt liegt Stanton besonders am Herzen: Die Vorstellung, eine Autoimmunerkrankung sei etwas, das einfach vom Himmel fällt und danach unveränderlich bleibt, greift aus seiner Sicht zu kurz. Auch wenn eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt, heißt das nicht automatisch, dass sich am weiteren Verlauf nichts mehr ändern lässt. Stattdessen lohnt sich der Blick auf einzelne Faktoren, die zur jeweiligen Situation beigetragen haben, etwa eine dauerhaft gereizte Darmwand, über die auch wichtige Nährstoffe schlechter aufgenommen werden können. Werden solche Faktoren adressiert, kann sich laut Stanton auch das Grundverhalten des Immunsystems über Zeit verändern, auch wenn das kein schneller Prozess ist, sondern eher eine Sache von Monaten.

Das ersetzt keine ärztliche Behandlung einer bestehenden Autoimmunerkrankung und ist kein Versprechen auf einen bestimmten Verlauf, ist aber ein Perspektivwechsel, der vielen Betroffenen laut Stanton neuen Handlungsspielraum gibt. Wenn du selbst betroffen bist, besprich mögliche unterstützende Maßnahmen für deine allgemeine Darmgesundheit und dein Wohlbefinden am besten mit deinem behandelnden Arzt oder Therapeuten.

Mehr zur allgemeinen Bedeutung einer stabilen Darmwand liest du in unserem Artikel Darmgesundheit und Stoffwechsel.

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