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Nasenatmung: Warum die Nase der bessere Weg ist

Inhalt des Webinars

Wie oft du am Tag durch die Nase statt durch den Mund atmest, hat mehr Einfluss auf deine Gesundheit, als die meisten Menschen ahnen. Gesundheitslehrer Raik Garve erklärt in seinem Webinar, warum Nasenatmung weit mehr ist als eine Frage der Gewohnheit.

Raik Garve ist seit 2005 Gesundheitslehrer und Dozent in der Erwachsenenbildung. Er verbindet in seinen Vorträgen schulmedizinisches Wissen mit praxisnaher Erfahrung und erklärt komplexe Körperfunktionen bewusst alltagstauglich.

Warum Kohlendioxid für die Nasenatmung so wichtig ist

Die meisten Menschen denken bei guter Atmung zuerst an Sauerstoff. Garve lenkt den Blick stattdessen auf Kohlendioxid. In der Lunge herrscht eine eigene Innenatmosphäre mit deutlich mehr CO2 und weniger Sauerstoff als in der Außenluft, und genau dieses Verhältnis muss laut Garve stabil bleiben, damit Stoffwechselprozesse reibungslos ablaufen.

Der Grund liegt im sogenannten Bohr-Effekt: Erst ein ausreichender CO2-Gehalt im Blut sorgt dafür, dass die roten Blutkörperchen den mitgeführten Sauerstoff auch tatsächlich ans Gewebe abgeben. Wer chronisch zu schnell oder zu flach atmet, atmet mehr CO2 ab, als gut für den Körper ist, wodurch paradoxerweise weniger Sauerstoff in den Zellen ankommt, obwohl genug davon im Blut vorhanden wäre. Schon nach etwa einer Minute bewusster Überatmung lässt sich das laut Garve sogar an veränderter elektrischer Hirnaktivität ablesen, ein Hinweis darauf, wie unmittelbar Atmung und Nervensystem zusammenhängen.

Nasenatmung statt Mundatmung: Der Unterschied macht sich bemerkbar

Nasenatmung setzt dem Luftstrom laut Garve rund 50 Prozent mehr Widerstand entgegen als Mundatmung, was ganz automatisch zu einer ruhigeren, tieferen Atmung führt. Zusätzlich filtert die Nase Keime und Partikel aus der Luft, bevor sie die Lunge erreichen, was bei Mundatmung komplett entfällt.

Ein weiterer Aspekt ist Stickstoffmonoxid, das in den Nasennebenhöhlen gebildet wird und beim Einatmen durch die Nase mit in die Lunge gelangt. Es unterstützt dort die Weitung der Blutgefäße und wirkt zusätzlich keimhemmend. Chronische Mundatmung, besonders im Schlaf, kann laut Garve außerdem zu einer schlechteren Schlafqualität beitragen, und bei Kindern kann sie sich sogar auf die Entwicklung der Gesichtsknochen auswirken, wenn die Nasenatmung über längere Zeit eingeschränkt bleibt. Garve rät deshalb, gerade bei Kindern frühzeitig auf die Atemgewohnheiten zu achten und im Zweifel mit einem Kinderarzt oder HNO-Arzt abzuklären, ob die Nasenatmung eingeschränkt ist.

Interessant findet Garve in diesem Zusammenhang auch bewusste Hyperventilationstechniken wie die Wim-Hof-Atmung. Direkt danach fühlen sich viele Menschen leistungsfähiger, was aber nicht an mehr Sauerstoff im Blut liegt, sondern schlicht daran, dass durch das Abatmen von CO2 kurzfristig mehr Sauerstoff ans Gewebe freigegeben wird. Dauerhaft praktiziert hält Garve davon aber wenig, weil es die CO2-Toleranz des Körpers eher schwächt statt stärkt.

Nasenatmung trainieren: Der CO2-Toleranztest

Wie gut jemand mit CO2 umgehen kann, lässt sich laut Garve mit einem einfachen Test grob einschätzen, ganz ohne Diagnoseanspruch. Dafür setzt du dich entspannt hin, atmest ruhig ein und aus, atmest dann normal aus und hältst die Luft an, bis der erste spürbare Atemreiz kommt. Die gemessene Zeit gibt einen groben Anhaltspunkt für die eigene CO2-Toleranz.

Ein gesunder Richtwert liegt laut Garve morgens nach dem Aufwachen bei etwa 40 bis 60 Sekunden. Wer deutlich darunter liegt, kann die Zeitspanne mit regelmäßigem Training über Wochen und Monate schrittweise verlängern, indem bewusst mehr durch die Nase geatmet und die Atmung insgesamt verlangsamt wird. Wer sich näher mit strukturierten Übungen beschäftigen möchte, findet dazu vertiefende Ansätze etwa in der Buteyko-Atmung. Für den Alltag nennt Garve außerdem einen einfachen Kniff bei verstopfter Nase: kurz aber tief ausatmen, die Nase zuhalten und langsam ein paar Schritte gehen, bis ein leichter Atemreiz entsteht. Häufig lässt sich die Nase danach wieder freier atmen, ganz ohne Nasenspray.

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