Hinweis vorab: Dieser Artikel liefert allgemeine, edukative Informationen zur Mundschleimhautentzündung (Mucositis) bei Krebstherapien. Er ersetzt keine individuelle Beratung. Wenn du oder Angehörige sich in einer Chemo- oder Strahlentherapie befinden, sprich jede Veränderung der Mundpflege, vorher mit dem behandelnden onkologischen Team ab.
Müdigkeit, Übelkeit, Haarausfall, das sind die bekannten Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Weniger bekannt, aber für viele Betroffene besonders belastend: Entzündungen der Mundschleimhaut, die den Alltag während einer ohnehin schweren Zeit zusätzlich erschweren können. Umweltzahnmediziner Dr. Wolfgang Kufahl hat sich in einem FroximunWorld-Webinar genau diesem Thema gewidmet.
Kufahl weist zu Beginn auf eine gemeinsame Initiative hin: Die Bundeszahnärztekammer hat gemeinsam mit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und dem Deutschen Krebsforschungszentrum einen Flyer entwickelt, der Betroffenen erste Orientierung zur Mundpflege während einer Krebstherapie geben soll, ein Hinweis darauf, wie ernst dieses oft übersehene Thema mittlerweile von offizieller Seite genommen wird. Sein Anliegen im Webinar ist es, dieses Wissen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit Angehörige und Betroffene besser vorbereitet sind, falls der Fall eintritt.
Was orale Mucositis ist und wie häufig sie vorkommt
Mundschleimhautentzündung, fachsprachlich Mucositis, gehört zu den häufigeren Begleiterscheinungen einer Krebstherapie. Nach Zahlen, auf die sich Kufahl bezieht, entwickeln nahezu 100 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich eine Mucositis, bei der Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie sind es etwa 89 Prozent, bei alleiniger Chemotherapie rund 40 Prozent der Behandelten. Die Erkrankung wird in vier Schweregrade eingeteilt, von leichten Rötungen bis zu ausgedehnten, sehr schmerzhaften Wunden, die Essen, Trinken und Sprechen erheblich erschweren können. Häufig zeigen sich zunächst kleine, weißliche oder gräuliche Läsionen, die Betroffene an gewöhnliche Aphten erinnern, jedoch heilen sie unter Chemotherapie deutlich langsamer ab, weil der körpereigene Reparaturprozess selbst beeinträchtigt ist und mehr Zeit braucht als gewohnt.
Warum die Mundschleimhaut bei Chemotherapie besonders leidet
Der Grund liegt im Wirkprinzip vieler Chemotherapeutika: Sie greifen gezielt Zellen an, die sich schnell teilen, wie es bei Krebszellen der Fall ist. Genau diese Eigenschaft teilen sich Mundschleimhautzellen jedoch mit Krebszellen, sie erneuern sich normalerweise alle paar Tage von selbst, weshalb auch sie besonders betroffen sind. Hinzu kommt häufig eine verminderte Speichelproduktion, wodurch die natürliche Schutzfunktion der Mundhöhle zusätzlich geschwächt wird, spürbar oft als Mundtrockenheit, veränderter Geschmack oder Schluckbeschwerden im Alltag. Auch das orale Mikrobiom, ein komplexes Biotop aus über tausend Bakterienarten, gerät dadurch aus der Balance, was die Anfälligkeit für zusätzliche Infektionen wie Pilzbefall im Mundraum weiter erhöht.
Wichtig ist Kufahl dabei ein größerer Zusammenhang: Die Mundhöhle ist nur der Anfang eines durchgängig mit Schleimhaut ausgekleideten Systems, das über Rachen, Speiseröhre und Magen bis in den Darm reicht. Auch Augen, Nase, Bronchien und weitere Schleimhäute im Körper können durch eine Chemotherapie in Mitleidenschaft gezogen werden, die Mundhöhle ist also nur ein sichtbarer Teil eines größeren Geschehens.
Worauf du bei der Mundpflege achten kannst
Kufahl rät bei gereizter Mundschleimhaut grundsätzlich zu besonders schonenden Pflegeprodukten, ganz ohne aggressive Inhaltsstoffe wie bestimmte Tenside, die die Wundheilung eher verzögern als fördern können. Auch mechanische und thermische Reize, etwa eine zu harte Zahnbürste, scharfkantige Lebensmittel oder sehr heiße Speisen und Getränke, können bereits gereizte Schleimhaut zusätzlich belasten und sollten möglichst vermieden werden.
Der aktivierte Naturzeolith MANC, bekannt aus der Toxaprevent-Produktreihe, kann in diesem Zusammenhang unterstützend wirken: Er bindet Histamin direkt an der Mundschleimhaut und verbleibt dabei ausschließlich im Mund- und Verdauungsbereich, ohne in den Blutkreislauf überzugehen, ein Punkt, der ihn potenziell gut mit anderen Behandlungen kombinierbar macht. Auch für die allgemeine Zahnpflege gibt es MANC-haltige, besonders milde Zahnpasten, die ohne Menthol, bestimmte Tenside, Parabene oder Titandioxid auskommen.
Ob und wie eine solche Anwendung während einer laufenden Chemo- oder Strahlentherapie sinnvoll ist, hängt stark vom individuellen Therapieplan und den verwendeten Wirkstoffen ab und gehört deshalb in die Hände deines onkologischen Teams. Sprich Veränderungen an deiner Mundpflege am besten immer direkt mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten ab, bevor du etwas Neues ausprobierst.
Mehr zur allgemeinen Mundgesundheit liest du in unserem Artikel Mundgesundheit und Allergien.